Eines meiner ersten Projekte im Studium war eine Präsentation im Fach „Grundlagen der Gestaltung“. Damals habe ich nicht wirklich verstanden, worum es dabei ging.
Zur Vorlesung gab es jede Woche Aufgaben. Wir zeichneten Kreise, Dreiecke und Linien in kleine 4×4 cm große Quadrate, scannten die Ergebnisse ein und bereiteten sie digital auf. In der Woche darauf wiederholten wir alles, diesmal mit Schatten.
Auf mich wirkte das anfangs wie reine Beschäftigung. Ich habe nicht erkannt, dass die Aufgaben eine Lektion sein sollten und die Präsentation eine Reflexion. Entsprechend habe ich sie auch behandelt: ohne großen Anspruch, oft nur, damit überhaupt etwas da ist. Wenn ich heute durch die Präsentation gehe, fällt mir das immer noch auf. Gleichzeitig sehe ich in einigen Arbeiten deutlich mehr Potenzial, als ich damals erkannt habe.
Die Präsentation lief über ein Tool auf Basis von Adobe Flash. Es wurde von einem Professor entwickelt und diente dazu, die einzelnen Ergebnisse als Sammlung durchzublättern. Während mich das Zeichnen wenig reizte, fand ich die technische Seite sofort spannend.
Bei der Zusammenstellung der Präsentation hatte ich dann meine eigene Idee: Neben den sauberen, digitalisierten Ergebnissen wollte ich auch meine Bleistiftskizzen animiert zeigen. Das war neu in diesem Kontext und hat mir deutlich mehr Spaß gemacht als die eigentlichen Aufgaben.
Als am Ende der Veranstaltung beiläufig erwähnt wurde, dass es gut wäre, das Tool auch in JavaScript zu haben, habe ich die Chance genutzt und angeboten, das umzusetzen. Da mich das Institut nur extern anstellen konnte, habe ich im April 2015 meine Selbstständigkeit gestartet.
Einige Jahre später wurde dieses Projekt aus einem eher unangenehmen Grund wieder relevant.
Ich hatte damals das Flash-Tool zwar in JavaScript nachgebaut, aber meine eigene Präsentation nie dorthin übertragen. Als Adobe den Flash Player 2020 endgültig eingestellt hat und auch Browser sowie andere Programme die Unterstützung eingestellt haben, konnte ich plötzlich nicht mehr auf meine eigene Arbeit zugreifen.
Ein Projekt, in das ich viel Zeit gesteckt hatte, war praktisch verschwunden.
2014 hat mir niemand gezeigt, wie wichtig es ist, Projekte so aufzubauen, dass sie langfristig nutzbar bleiben. Diese Erfahrung habe ich erst später gemacht.
In den letzten Tagen habe ich deshalb mein altes Studienprojekt genommen und in das JavaScript-Framework übertragen, das ich damals selbst entwickelt habe. Jetzt ist alles wieder zugänglich.
Was ich daraus mitnehme: Quellcode ist wertvoll. Und saubere Versionierung ist notwendig.